Die Gemeinde der Mennoniten ist eine evangelische Glaubensgemeinschaft, die ihre Wurzeln in der Täuferbewegung hat und deren Ursprünge somit in der Reformationszeit liegen. Ursprünglich in der Schweiz entstanden, breitete sich die Bewegung über Süddeutschland bis in die Niederlande aus. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, sahen sich die Mennoniten im nördlichen Teil der Niederlande nicht mit Unterdrückung, Verfolgung und Ausweisung konfrontiert. Eine große Anzahl an niederländischen Täufern siedelten sich später auch in Preußen an, welches zum polnischen Königreich gehörte. Dort wurde ihre Religion ebenfalls geduldet. Dies lag vor allem daran, dass die Mennoniten dort durch den Bau von Deichen und Kanälen dafür sorgten, dass das Land erfolgreich für die Landwirtschaft erschlossen werden konnte. Davon profitierten sowohl Grundbesitzer, als auch die Städte und Gemeinden. Die aus der Arbeit der Täufer entstehenden wirtschaftlichen Vorteile sicherte der Glaubensgemeinschaft also eine gewisses Maß an Toleranz.
Bald kam es jedoch zu internen Konflikten unter den verschiedenen Mennoniten-Siedlungen. Vor allem zwischen den Mennoniten aus Norddeutschland und Holland herrschte Uneinigkeit über den Umgang mit dem Bann. Als Resultat spalteten sich viele Mennoniten-Gemeinden. So entstanden die flämischen, friesischen und waterländischen Gemeinden der Glaubensgemeinschaft. Einige Zeit später entwickelten sich auch offenere arminianische sowie konservativere prädestinatianische Gemeinden unter den Lammisten und Sonnisten. Außerdem entstanden im Laufe des 17. Jahrhunderts auch die Dompelaars, eine weitere Glaubensgemeinschaft, für die das 3-fache Untertauchen bei der Taufe charakteristisch war. Im Laufe der Zeit schlossen sich viele dieser gespalteten Gemeinschaften und Gemeinden allerdings wieder zusammen.
Über Russland nach Bolivien
Mennoniten, die sich in der Region um die Weichsel niedergelassen hatten, standen ab dem Jahr 1772, in welches die Erste Teilung Polens fiel, unter Herrschaft der Preußen. Diese blockierten eine weitere Ausbreitung der Mennoniten und ihrer Glaubensbewegung. Aufgrund dieser Tatsachen fassten viele der Mennoniten den Entschluss, nach Russland oder auch in die Ukraine auszuwandern. Dort formte sich als Konsequenz die Bewegung Russlandmennoniten. Mit der Einführung der Wehrpflicht in Russland im Jahr 1874 verließen viele Mennoniten das Land und brachen in Richtung Nordamerika auf. Dort gründeten sie abermals neue Siedlungen. Diese fanden sich im 20. Jahrhundert dann sogar in Lateinamerika. Besonders verbreitet sind die Mennoniten-Siedlungen in Paraguay. Dort wird auch der niederdeutsche Dialekt Plautdietsch von vielen der Gläubigen gesprochen. Entstanden die Mennoniten-Gemeinden zu Anfang hauptsächlich in Paraguay, verbreiteten sie sich doch später auch in anderen Ländern des südamerikanischen Kontinents. Dazu zählen vor allem Argentinien, Brasilien, Bolivien und Uruguay.